Riester oder Altersvorsorgedepot: Lohnt sich der Wechsel ab 2027?
Millionen Menschen in Deutschland haben einen Riester-Vertrag. Ab dem 1. Januar 2027 gibt es für neue Verträge eine Alternative: das Altersvorsorgedepot. Wer schon einen Riester-Vertrag hat, fragt sich nun: wechseln oder bleiben?
Was sich 2027 gegenüber der Riester-Rente ändert
Bei der Riester-Rente müssen die Anbieter zusichern, dass zum Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge und Zulagen vorhanden sind. Das gibt Sicherheit, zwingt die Anbieter aber zu einer vorsichtigen Anlage. Oft bleibt dadurch wenig Ertrag.
Das Altersvorsorgedepot geht einen anderen Weg. Grundlage ist das Altersvorsorgereformgesetz vom 26. Mai 2026. Der Bundestag hat es im März beschlossen, der Bundesrat hat im Mai zugestimmt. Die Zulagen stehen wie bei Riester in den §§ 79 ff. des Einkommensteuergesetzes (EStG). Die wichtigsten Unterschiede:
- Mehr Renditechancen, keine Garantie. Ihr Geld darf in Fonds und ETFs fließen, also börsengehandelte Indexfonds, bis zur Risikoklasse 5. Einzelaktien sind nicht erlaubt. Am Ende kann auch weniger da sein, als Sie eingezahlt haben. Wer Sicherheit möchte, kann weiter ein Garantieprodukt wählen.
- Einfachere Förderung. Für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr gibt es 50 Prozent Zulage, also 180 Euro. Für weitere Beiträge bis 1.800 Euro kommen 25 Prozent dazu. Zusammen sind das bis zu 540 Euro Grundzulage im Jahr. Die Riester-Grundzulage liegt bei 175 Euro. Für Kinder gibt es 1 Euro auf jeden eigenen Euro, höchstens 300 Euro je Kind und Jahr. Unter 120 Euro im Jahr gibt es keine Zulage. Dazu kommt ein möglicher Steuervorteil: Beiträge bis 1.800 Euro im Jahr plus Zulagen können Sie als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Das Finanzamt prüft von selbst, ob Ihnen das mehr bringt als die Zulage (Günstigerprüfung). Davon haben vor allem Menschen mit hohem Einkommen etwas, etwa gut verdienende Angestellte und Selbstständige.
- Mehr Freiheit im Alter. Ausgezahlt wird ab 65. Statt einer lebenslangen Rente ist ein Auszahlungsplan möglich, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr reicht.
| Merkmal | Riester-Rente (bestehende Verträge) | Altersvorsorgedepot (ab 2027) |
|---|---|---|
| Beitragsgarantie | Zum Rentenbeginn sind alle Beiträge und Zulagen garantiert. | Keine. Wer eine Garantie möchte, wählt stattdessen ein Garantieprodukt mit 80 oder 100 Prozent. |
| Geldanlage | Wegen der Garantie meist vorsichtig, mit einem großen Anteil an Zinsanlagen. | Fonds und ETFs bis Risikoklasse 5 von 7, langfristige europäische Fonds (ELTIF) und Euro-Staatsanleihen. Keine Einzelaktien. |
| Grundzulage | Bis zu 175 Euro im Jahr. | Bis zu 540 Euro im Jahr. Die volle Zulage gibt es ab 1.800 Euro Eigenbeitrag. |
| Kinderzulage | 300 Euro je Kind und Jahr, für Kinder mit Geburtsjahr vor 2008 nur 185 Euro. | 1 Euro auf jeden eigenen Euro, höchstens 300 Euro je Kind und Jahr. |
| Mindestbeitrag | Für die volle Zulage 4 Prozent Ihres Bruttoeinkommens aus dem Vorjahr abzüglich der Zulagen, mindestens 60 Euro im Jahr. Wer weniger zahlt, bekommt weniger Zulage. | 120 Euro im Jahr. Darunter gibt es keine Zulage. |
| Frühester Beginn der Auszahlung | Mit 62, bei Abschluss vor 2012 mit 60. | Mit 65. Früher nur, wenn Sie schon eine gesetzliche Altersrente oder Pension bekommen. |
| Form der Auszahlung | Lebenslange Rente. Zu Beginn bis zu 30 Prozent auf einmal. | Lebenslange Rente oder Auszahlungsplan bis mindestens 85. Zu Beginn bis zu 30 Prozent auf einmal. |
Alle Eckdaten, einen Rechner und einen Zulagenvergleich finden Sie auf meiner Seite zum Altersvorsorgedepot.
Drei Wege für Riester-Sparer
- Behalten. Ihr Vertrag läuft mit der bisherigen Förderung weiter.
- Nur die Förderung wechseln. Der Vertrag bleibt, die neue Zulage gilt. Dafür genügt eine Erklärung an den Anbieter. Sie gilt für alle Ihre alten Verträge und lässt sich nicht zurücknehmen.
- Übertragen. Das Guthaben geht in ein Altersvorsorgedepot oder ein Garantieprodukt. Die Förderung müssen Sie nicht zurückzahlen, es können aber Wechsel-, Abschluss- und Vertriebskosten anfallen.
Für wen sich der Wechsel ins Altersvorsorgedepot lohnen kann
| Ihre Lage | Warum der Wechsel interessant sein kann |
|---|---|
| Sie zahlen ohne Kinderzulage mindestens 360 Euro im Jahr ein | Ab diesem Betrag liegt die neue Grundzulage über den 175 Euro bei Riester. Bei 1.800 Euro im Jahr erreicht sie 540 Euro. |
| Bis zur Rente sind es noch 15 Jahre oder mehr | Ein langer Anlagezeitraum gleicht Schwankungen an der Börse eher aus. Eine Garantie gibt es im Depot aber nicht. |
| Ihr Vertrag ist teuer | Niedrigere Kosten wirken über viele Jahre. Vergleichen Sie die Effektivkosten aus den Produktinformationsblättern. |
| Sie sind selbstständig | Selbstständige mit Steuererklärung können ab 2027 erstmals direkt gefördert werden. |
| Vererben ist Ihnen wichtig | Beim Auszahlungsplan bleibt nicht verbrauchtes Guthaben erhalten. Die Erben müssen aber die Förderung zurückzahlen, außer das Geld geht auf einen Vertrag des Ehepartners. Eine lebenslange Rente ohne Garantiezeit endet mit dem Tod. |
Wann Sie besser bei Riester bleiben
- Geringes Einkommen und mehrere Kinder. Wer nur den Mindestbeitrag von 60 Euro im Jahr zahlt und dafür volle Kinderzulagen bekommt, fährt mit Riester oft besser. Neu gibt es unter 120 Euro im Jahr gar keine Zulage. Endet der Anspruch auf Kindergeld, kann sich die Rechnung ändern.
- Eine gute Garantie. Ältere Verträge haben oft einen höheren Rechnungszins und einen garantierten Rentenfaktor, die es heute nicht mehr gibt. Bei einer Übertragung gehen sie verloren.
- Rente vor 65. Riester-Verträge zahlen meist ab 62, ältere ab 60. Im neuen System beginnt die Auszahlung mit 65. Früher geht es nur, wenn Sie schon eine gesetzliche Altersrente oder Pension bekommen.
- Eine eigene Immobilie ist geplant. Auch aus einem Altersvorsorgedepot dürfen Sie Geld für eine selbst genutzte Wohnung oder ein eigenes Haus entnehmen, wenn der Vertrag das zulässt. Das Gesetz nennt das Altersvorsorge-Eigenheimbetrag. Ohne Garantie tragen Sie aber das Risiko der Börse: Fallen die Kurse kurz vor dem Kauf, haben Sie weniger Eigenkapital. Prüfen Sie vor einem Wechsel, ob der neue Vertrag die Entnahme erlaubt.
- Der Ruhestand ist nah. Wer weniger als zehn Jahre bis zur Rente hat und keine Schwankungen möchte, ist mit der Garantie des alten Vertrags oft ruhiger unterwegs.
Nicht vorschnell kündigen. Wer einen Riester-Vertrag kündigt, statt ihn zu übertragen, muss in der Regel alle Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen.
Worauf Sie beim Wechsel von Riester achten sollten
- Übertragen wird der aktuelle Wert Ihres Vertrags, nicht die Garantie zum Rentenbeginn. Liegt der aktuelle Wert unter Ihren Einzahlungen, verzichten Sie mit dem Wechsel auf diese Garantie.
- Fragen Sie Ihren bisherigen und den neuen Anbieter vorher schriftlich, welche Kosten für den Wechsel anfallen.
- Vergleichen Sie die laufenden Kosten der neuen Angebote. Sie entscheiden über viele Jahre mit, was am Ende übrig bleibt.
- Entscheiden Sie als Ehepaar gemeinsam. Bleibt der Partner mit eigener Förderung beim alten Vertrag, bekommt der mitgeförderte Partner für einen neuen Vertrag keine Zulage.
Sobald die ersten Angebote im Januar 2027 vorliegen, lassen sie sich in Ruhe vergleichen. Behalten Sie Ihren Vertrag bis dahin bei.
Kein neuer Vertrag nebenher. Wer neben dem Riester-Vertrag einen neuen Vertrag abschließt, holt damit auch den alten Vertrag in die neue Förderung. Der Bestandsschutz endet, und das lässt sich nicht zurücknehmen. Entscheiden Sie deshalb zuerst.
Was Sie jetzt schon tun können
Schauen Sie in Ihre Unterlagen und notieren Sie drei Dinge:
- Wie hoch ist das aktuelle Guthaben?
- Wie viele Jahre sind es noch bis zur Rente?
- Planen Sie in den nächsten Jahren eine eigene Immobilie?
Mit diesen Antworten lässt sich 2027 schnell klären, ob ein Wechsel für Sie sinnvoll ist. Ob die Zulage nach altem oder neuem Recht höher ist, zeigt der Zulagenvergleich. Beim Zusammentragen hilft die Checkliste vor einem Wechsel (PDF).
Häufige Fragen
Kann ich mein Riester-Guthaben steuerfrei in ein Altersvorsorgedepot übertragen?
Ja, wenn das Guthaben direkt auf einen neuen zertifizierten Vertrag übergeht, also einen vom Staat für die Förderung zugelassenen Vertrag. Dann bleiben Zulagen und Steuervorteile erhalten, und bei der Übertragung fallen keine Steuern an. Versteuert wird wie bisher erst die Auszahlung im Alter. Es können aber Kosten für Wechsel und Abschluss anfallen. Wichtig ist: übertragen, nicht kündigen.
Kann ich meinen Riester-Vertrag behalten und zusätzlich ein Altersvorsorgedepot eröffnen?
Ja, aber nicht mit zwei verschiedenen Förderungen. Sobald Sie ab 2027 einen neuen Vertrag abschließen, gilt auch für Ihren Riester-Vertrag die neue Förderung. Der Vertrag selbst läuft weiter. Der Bestandsschutz, also das Recht auf die alte Förderung, endet aber, und das lässt sich nicht zurücknehmen. Ob die alte oder die neue Zulage für Sie höher ist, zeigt der Zulagenvergleich.
Geht meine Beitragsgarantie beim Wechsel verloren?
Ja. Die Garantie Ihres Riester-Vertrags gilt erst zum Rentenbeginn. Übertragen wird aber der heutige Wert Ihres Vertrags. Liegt er unter Ihren Beiträgen und Zulagen, verlieren Sie die Differenz, die der alte Anbieter bis zum Rentenbeginn hätte ausgleichen müssen. Lassen Sie sich deshalb vorher schriftlich nennen, welcher Betrag übertragen würde.
Kann ich das Guthaben aus dem Altersvorsorgedepot für eine Immobilie nutzen?
Ja, für eine selbst genutzte Wohnung oder ein eigenes Haus, wenn Ihr Vertrag das zulässt. Das Depot hat aber keine Garantie. Sein Wert schwankt mit der Börse. Ist der Kauf schon in wenigen Jahren fest geplant, passt ein reines Fonds- oder ETF-Depot deshalb weniger gut.