Indexpolicen: Was von der Börsenrendite bei Ihnen ankommt
Börsenrendite ohne Verlustrisiko: So werden Indexpolicen oft beworben. Tatsächlich gehören sie zu den am häufigsten missverstandenen Produkten der Altersvorsorge. Selbst gute Börsenjahre kommen oft nur als kleine Gutschrift an.
Der häufigste Irrtum
Viele verbinden eine Indexpolice mit einer Anlage am Aktienmarkt, ähnlich einem ETF-Sparplan. Das ist sie nicht. Eine Indexpolice ist eine Rentenversicherung, deren Gutschrift sich an der Entwicklung eines Börsenindex orientiert, zum Beispiel des Euro Stoxx 50. Ihr Geld selbst liegt dabei nicht direkt in Aktien.
Wie viel von der Entwicklung des Index bei Ihnen ankommt, bestimmen die Regeln des Vertrags. Und diese Regeln begrenzen den Ertrag deutlich.
Cap, Quote und Spread einfach erklärt
- Cap: eine Obergrenze für die jährliche Gutschrift, zum Beispiel 4 Prozent. Steigt der Index um 20 Prozent, bleibt es trotzdem bei 4 Prozent.
- Quote: Sie sind nur zu einem Teil an der Entwicklung beteiligt, etwa zu 80 Prozent.
- Spread: Vom Anstieg des Index wird zuerst ein fester Wert abgezogen. Nur was darüber liegt, wird Ihnen gutgeschrieben.
- Optionskosten: Damit Sie an Anstiegen teilhaben können, kauft der Versicherer sogenannte Optionen, also Finanzprodukte, die von steigenden Kursen profitieren. Diese Kosten trägt am Ende Ihr Vertrag.
| Regel im Vertrag | Ihre Gutschrift |
|---|---|
| Cap von 4 Prozent | 4 Prozent |
| Quote von 80 Prozent | 12 Prozent |
| Spread von 5 Prozent | 10 Prozent |
Die Werte sind Beispiele. Der Versicherer legt sie meist jedes Jahr neu fest.
Fallen die Kurse, gibt es für dieses Jahr keine Gutschrift, aber auch keinen Verlust aus der Entwicklung des Index. Das ist zugleich der Preis und der Nutzen dieser Konstruktion.
Garantien kosten Geld
Verspricht eine Indexpolice, dass Ihr eingezahltes Geld sicher ist, muss der Versicherer dafür Rücklagen bilden und vorsichtig anlegen. Dieses Geld fehlt bei der Wertentwicklung.
Das Problem ist nicht die Garantie an sich, sondern die Erwartung. Wer eine Art ETF-Rente mit Sicherheitsnetz erwartet, wird enttäuscht. Die Garantie bremst genau das, wofür das Produkt eigentlich stehen soll: die Teilhabe am Aktienmarkt.
Wann Indexpolicen ihre Stärken zeigen
- In Märkten, die seitwärts laufen oder nur leicht steigen. Dann fällt die Obergrenze kaum ins Gewicht, und der Schutz vor Verlusten wirkt.
- In unruhigen Phasen mit häufigen Rückschlägen, wenn ein schlechtes Börsenjahr bei Ihnen nur zu einer Gutschrift von null führt.
- Kurz vor dem Ruhestand, wenn keine Zeit mehr bleibt, Verluste auszusitzen.
Auch dann gilt: Sie sollten genau wissen, nach welchen Regeln Ihr Vertrag rechnet.
Passt eine Indexpolice zu Ihnen?
Eher ja, wenn Sie
- vor allem Verluste vermeiden wollen,
- Rendite als Zugabe sehen, nicht als Hauptziel,
- für Sicherheit bewusst auf Ertrag verzichten,
- die Regeln des Vertrags wirklich verstehen.
Eher nein, wenn Sie
- Erträge wie am Aktienmarkt erwarten,
- flexibel und günstig anlegen wollen,
- genau sehen möchten, wo Ihr Geld steckt,
- Schwankungen über viele Jahre aushalten können.
Vier Fragen vor der Entscheidung
- Verstehe ich, wie Cap, Quote und Kosten in diesem Vertrag wirken?
- Ist mir der Schutz vor Verlusten wichtiger als die volle Chance am Aktienmarkt?
- Kann ich damit leben, dass gute Börsenjahre bei mir nur zum Teil ankommen?
- Habe ich die Indexpolice mit einfacheren Lösungen verglichen, etwa einem ETF-Sparplan oder einer klassischen Rentenversicherung?
Nur wenn Sie alle vier Fragen mit Ja beantworten, ist eine Indexpolice eine Überlegung wert.
Indexpolicen sind weder schlecht noch ein Wundermittel. Sie stehen für Sicherheit mit begrenzter Chance. Wer das weiß, kann gut damit fahren. Wer die Börse ohne Risiko erwartet, wird enttäuscht.