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Altersvorsorge: Wenn Sicherheit zum Risiko wird

Viele Menschen wollen bei der Altersvorsorge vor allem eines: kein Risiko. Das ist verständlich. Doch eine Strategie ohne Schwankungen kann dazu führen, dass das Geld im Alter nicht reicht. Dann wird die vermeintliche Sicherheit selbst zum Risiko.

Von Tobias Schnippering · Aktualisiert am · 4 Minuten Lesezeit

Die falsche Frage am Anfang

In vielen Beratungsgesprächen zur Altersvorsorge steht eine Frage am Anfang: Wie risikobereit sind Sie? Lieber sicher oder lieber chancenreich? Das klingt vernünftig. Dabei wird aber oft übersehen, ob die gewählte Strategie Sie überhaupt ans Ziel bringt.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie viel Sicherheit kann ich mir leisten, ohne dass mir im Alter Geld fehlt?

Drei Stellschrauben

Für Ihr Ziel im Ruhestand gibt es genau drei Hebel:

  • Die Sparrate: wie viel Sie jeden Monat zurücklegen.
  • Die Rendite: was Ihr Geld im Jahr erwirtschaftet.
  • Die Zeit: wie viele Jahre bis zum Ruhestand bleiben.

Diese drei müssen zusammenpassen. Wer auf Rendite verzichtet, muss mehr sparen oder länger warten. Beides ist oft nicht möglich.

Ein Rechenbeispiel

Angenommen, Sie möchten im Ruhestand zusätzlich zur gesetzlichen Rente 2.000 Euro im Monat zur Verfügung haben, und zwar 20 Jahre lang. Dafür brauchen Sie zum Rentenbeginn 480.000 Euro.

Sie können 500 Euro im Monat sparen, und bis zur Rente sind es noch 23 Jahre. Um das Ziel zu erreichen, bräuchten Sie eine Rendite von rund 9,7 Prozent im Jahr. Das lässt sich auf Dauer kaum seriös planen.

Setzen Sie stattdessen auf eine sichere Anlage mit 1,5 Prozent Zins, haben Sie nach 23 Jahren rund 165.000 Euro. Das reicht für etwa 690 Euro im Monat.

500 Euro im Monat, 23 Jahre lang
Größe Ihr Ziel Mit 1,5 Prozent Zins
Kapital zum Rentenbeginn 480.000 Euro rund 165.000 Euro
Monatlich im Ruhestand, 20 Jahre lang 2.000 Euro rund 690 Euro
Lücke pro Monat keine gut 1.300 Euro

Vereinfachte Rechnung ohne Kosten, Steuern und Inflation. In der Auszahlphase sind keine weiteren Zinsen berücksichtigt.

Es fehlen also jeden Monat gut 1.300 Euro, und das 20 Jahre lang. Die vermeintliche Sicherheit wird so zum größten Risiko.

Was sich ändern müsste

Um mit 1,5 Prozent trotzdem auf 480.000 Euro zu kommen, müssten Sie knapp dreimal so viel sparen, rund 1.460 Euro im Monat. Für die meisten ist das nicht machbar.

Oder Sie verlängern die Zeit: Mit 500 Euro im Monat wäre das Ziel erst rund 30 Jahre später erreicht. Das passt kaum zu einem normalen Lebenslauf.

Die Lösung liegt meist dazwischen: etwas mehr sparen, etwas mehr Rendite zulassen, vielleicht etwas später aufhören. Wie das für Sie aussieht, hängt von Ihrer ganzen Lebenslage ab.

Dabei gilt: Wer früh anfängt und viel spart, kann sich mehr Sicherheit leisten. Leider lassen sich gerade Zeit und Geld am schwersten nachholen. Umso wichtiger ist es, Rendite nicht unbedacht zu verschenken.

Zur Einordnung. Höhere Renditechancen gibt es nur mit Schwankungen. Geldanlagen können an Wert verlieren, und frühere Erträge sind kein Versprechen für die Zukunft. Deshalb gehört die Frage, wie viel Schwankung Sie aushalten, in jede Planung, nur eben nicht als einzige.

Erst das Ziel, dann der Weg

Eine gute Altersvorsorge beginnt mit ehrlichen Fragen:

  • Wie will ich im Ruhestand leben?
  • Was brauche ich dafür im Monat?
  • Was habe ich schon, zum Beispiel Rentenansprüche, Verträge oder eine Immobilie?
  • Wie setze ich das sinnvoll ein?

Vielleicht wollen Sie Ihr Haus später verkaufen oder einen Teil vermieten. Vielleicht arbeiten Sie gern noch ein paar Jahre in Teilzeit. All das verändert die Rechnung, oft zum Guten.

Das heutige Einkommen als Maßstab zu nehmen und darauf eine Vorsorge mit größtmöglicher Sicherheit zu bauen, ist bequem. Zu dem Ruhestand, den Sie sich wünschen, führt es aber selten. Sicherheit um jeden Preis kann das größte Risiko sein. Nehmen Sie sich deshalb die Zeit, Ihre Vorsorge einmal in Ruhe durchzurechnen. Einen ersten Eindruck gibt Ihnen mein Renten-Ziel-Rechner.

Porträt von Tobias Schnippering

Tobias Schnippering

Versicherungsmakler und Finanzanlagenvermittler auf Norderney. Fachberater für Finanzdienstleistungen (IHK) und zertifizierter Spezialist für Ruhestandsplanung (FH), seit 20 Jahren in der Beratung von Privatkunden und Betrieben.

Mehr über mich

Dieser Beitrag gibt allgemeine Informationen, Stand November 2026. Er ersetzt keine persönliche Beratung und keine Steuer- oder Rechtsberatung. Geldanlagen sind mit Risiken verbunden.

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