Kapital im Ruhestand: So reicht Ihr Geld bis zum Schluss
Bis zur Rente geht es ums Sparen. Danach dreht sich die Aufgabe um: Aus Vermögen soll ein verlässliches Einkommen werden, Monat für Monat und über viele Jahre. Das braucht einen eigenen Plan.
Die Aufgabe dreht sich um
Bis zum Rentenbeginn zahlen Sie ein. Danach entnehmen Sie, und zwar viele Jahre lang. Dabei stellen sich drei Fragen:
- Wie viel brauchen Sie? Unterscheiden Sie zwischen dem, was Sie mindestens brauchen, und dem, womit Sie sich richtig wohlfühlen.
- Wie lange muss es reichen? Planen Sie nicht mit dem Durchschnitt, sondern mit einem langen Leben.
- Was soll übrig bleiben? Eine Reserve für Pflege und Reparaturen, vielleicht ein Erbe für die Kinder.
Aus den Antworten ergibt sich, wie Sie Ihr Vermögen aufteilen und in welcher Form Sie es sich auszahlen lassen.
Rente oder Auszahlplan?
Für die Auszahlung gibt es zwei Grundformen. Die lebenslange Rente zahlt jeden Monat einen festen Betrag, solange Sie leben, zum Beispiel aus einer privaten Rentenversicherung. Beim Auszahlplan entnehmen Sie regelmäßig Geld aus einem Depot oder Vertrag, der Rest bleibt angelegt.
| Merkmal | Lebenslange Rente | Auszahlplan |
|---|---|---|
| Wie lange | Lebenslang, egal wie alt Sie werden | Solange das Geld reicht |
| Flexibilität | Gering, das Kapital ist meist fest gebunden | Hoch, Sie können Beträge ändern oder mehr entnehmen |
| Rendite | Begrenzt, dafür gut planbar | Chancen und Schwankungen der Anlage |
| Bei frühem Tod | Je nach Vertrag zahlt eine Garantiezeit weiter oder das Restkapital geht an die Erben. Sonst endet die Rente. | Der Rest geht an Ihre Erben |
| Steuern | Bei einer privaten Rente nur der Ertragsanteil, bei Rentenbeginn mit 67 sind das 17 Prozent | Nur auf die enthaltenen Gewinne, bei Aktienfonds nur auf einen Teil davon |
Für Basisrente, Riester und Betriebsrente gelten andere Steuerregeln.
Neu ab 2027. Beim geförderten Altersvorsorgedepot haben Sie die Wahl: lebenslange Rente oder Auszahlplan, der mindestens bis 85 läuft. Bis zu 30 Prozent können Sie zu Beginn auf einmal entnehmen. Mehr dazu auf der Seite Altersvorsorgedepot.
Die Mischung macht es
In der Praxis bewährt sich oft eine Kombination. Der Grundbedarf, also Wohnen, Essen und Versicherungen, kommt aus lebenslangen Einkommen: gesetzliche Rente, Betriebsrente und private Rente. Für Wünsche und Unvorhergesehenes sorgt ein Auszahlplan, der flexibel bleibt.
Eine weitere Möglichkeit: Sie beginnen mit einem Auszahlplan und wandeln einen Teil später in eine lebenslange Rente um. Je später eine private Rente beginnt, desto kleiner ist der steuerpflichtige Ertragsanteil und desto höher fällt die Rente aus.
Keine reine Rechenfrage. Ob eine Rente oder ein Auszahlplan besser passt, hängt auch von Ihrer Gesundheit, Ihrer Familie und Ihrem Wunsch nach Sicherheit ab.
Das Töpfe-Modell: Geld nach Anlagedauer aufteilen
Nicht jeder Euro wird zur gleichen Zeit gebraucht. Geld für die nächsten Jahre gehört sicher und griffbereit angelegt. Geld, das Sie erst in zwanzig Jahren brauchen, darf schwanken und dafür mehr Rendite bringen. Deshalb teile ich das Vermögen mit meinen Kunden nach Anlagedauer auf:
| Topf | Anlagedauer | Schwerpunkt | Zum Beispiel für |
|---|---|---|---|
| Topf 1 | bis 10 Jahre | Sicherheit | Die Entnahmen der nächsten Jahre und eine Reserve für Unvorhergesehenes |
| Topf 2 | 10 bis 15 Jahre | Sicherheit und Rendite | Die mittleren Jahre im Ruhestand |
| Topf 3 | 15 bis 25 Jahre | Rendite und Flexibilität | Die späteren Jahre und größere Wünsche |
| Topf 4 | über 25 Jahre | Rendite | Die späten Jahre, eine Pflegereserve und was Sie vererben möchten |
Der Kern liegt im Nachfüllen. Läuft es an der Börse gut, wandern Gewinne aus den Rendite-Töpfen in die sicheren Töpfe. Fallen die Kurse, leben Sie aus Topf 1 und warten ab, statt Fonds zur Unzeit zu verkaufen.
Wie viel kann ich entnehmen?
Eine Antwort für alle gibt es nicht. Faustregeln wie die bekannte 4-Prozent-Regel stammen aus den USA und gehen von Annahmen aus, die nicht für jeden passen. Drei Dinge machen Ihre Entnahme belastbarer:
- Mit der Teuerung rechnen. Was heute 2.000 Euro kostet, kostet bei 2 Prozent Teuerung im Jahr nach 20 Jahren fast 3.000 Euro.
- Lange planen. Rechnen Sie mindestens bis 90, besser bis 95.
- Eine Reserve halten. Für Pflege, ein neues Auto oder einen Umbau gehört ein Teil des Vermögens nicht in die monatliche Entnahme.
Wie lange Ihr Geld bei einer bestimmten Entnahme reicht, zeigt der Rechner Wie lange reicht mein Geld?
Was die Planung stören kann
- Die Börse zur falschen Zeit. Fallen die Kurse in den ersten Jahren, während Sie entnehmen, müssen Sie mehr Anteile verkaufen, um denselben Betrag zu bekommen. Diese Anteile fehlen, wenn sich die Kurse erholen. Fachleute sprechen vom Reihenfolgerisiko. Das Töpfe-Modell fängt genau das ab.
- Steuern und Krankenversicherung. Auch im Ruhestand gehen Steuern ab. Ob auf private Renten und Kapitalerträge Beiträge zur Krankenversicherung fallen, hängt davon ab, wie Sie im Alter versichert sind. Wer freiwillig gesetzlich versichert ist, zahlt oft auf alle Einnahmen.
- Pflege. Im Pflegeheim kommen oft 3.000 Euro und mehr im Monat aus eigener Tasche dazu. Dafür braucht es eine Reserve oder eine Absicherung.
- Der Tod des Partners. Fällt eine Rente weg, muss das Einkommen für den anderen trotzdem reichen. Das gehört in die Planung, solange beide gesund sind.
So gehe ich vor
Ich trage mit Ihnen alle Einnahmen und Ausgaben zusammen, teile Ihr Vermögen nach Anlagedauer auf und lege fest, was in eine lebenslange Rente gehört und was flexibel bleibt. Einmal im Jahr prüfen wir, ob die Töpfe noch passen, und füllen nach.
Dabei vertrete ich Sie gegenüber den Versicherern, nicht einen Versicherer gegenüber Ihnen. Steuerfragen stimme ich mit Ihrem Steuerberater ab.
Zur Geldanlage. Geldanlagen sind mit Risiken verbunden. Ihr Wert kann schwanken, und Sie bekommen unter Umständen weniger zurück, als Sie eingezahlt haben.