Zum Inhalt springen
Logo Finanzdienstleistung Tobias Schnippering

Cyberrisiken im Betrieb: Erst vorbeugen, dann versichern

2025 wurden deutlich mehr Cyberschäden gemeldet als in den Jahren davor. Das klingt bedrohlich, hat aber auch eine gute Seite. Wichtiger ist die Frage, wo Angriffe tatsächlich beginnen und was Sie dagegen tun können.

Von Tobias Schnippering · Aktualisiert am · 4 Minuten Lesezeit

Warum mehr Schäden gemeldet werden

Die Schadenhäufigkeit bei Cyberversicherungen ist 2025 deutlich gestiegen: von unter 4 Prozent in den Vorjahren auf über 10 Prozent.

Dafür gibt es zwei Gründe. Angreifer arbeiten heute mit fertigen Werkzeugen und automatisierten Abläufen, ein Angriff kostet sie wenig Aufwand. Gleichzeitig überwachen mehr Betriebe ihre Systeme und bemerken Vorfälle früher. Mehr Meldungen bedeuten deshalb auch, dass Angriffe öfter rechtzeitig erkannt werden.

Wo Angriffe beginnen

Die meisten Vorfälle beginnen nicht mit einem raffinierten Hackerangriff, sondern im Alltag:

  • E-Mails. Gefälschte Rechnungen, übernommene Postfächer und täuschend echte Nachrichten sind der häufigste Weg in einen Betrieb. Rund 60 Prozent der Vorfälle beginnen so.
  • Gestohlene Zugangsdaten. Wer ein Passwort kennt, braucht keine Sicherheitslücke. Programme, die Zugangsdaten unbemerkt ausspähen, sind weit verbreitet.
  • Technische Lücken. Veraltete Software und fehlende Updates öffnen Türen, die längst geschlossen sein könnten.
  • Erpressung. Sogenannte Ransomware verschlüsselt alle Daten, und die Täter verlangen Geld für die Freigabe. Sie steckt nur hinter etwa 5 Prozent der Fälle, verursacht aber die höchsten Schäden.

Künstliche Intelligenz hat diese Angriffe nicht erfunden, aber besser gemacht. Phishing-Mails, also gefälschte Nachrichten, die zu einer Zahlung oder zur Eingabe von Passwörtern verleiten sollen, sind heute fehlerfrei formuliert und passen genau zum Betrieb. Selbst Anrufe mit der nachgeahmten Stimme der Chefin oder des Chefs sind möglich. Rückfragen über einen zweiten, bekannten Weg werden deshalb wichtiger.

Besonders gefährdet sind Betriebe, die viel per E-Mail abwickeln, und alle, die ohne ihre IT stillstehen. Für Hotels, Pensionen und Vermieter auf den Inseln heißt das: Fallen Buchungssystem und Kasse aus, steht schnell der ganze Betrieb.

Was Sie selbst tun können

  1. E-Mails absichern und das Team schulen. Gute Spamfilter und technische Absenderprüfungen helfen. Ihr IT-Dienstleister kennt sie unter den Kürzeln SPF, DKIM und DMARC. Noch wichtiger sind regelmäßige Übungen mit echten Beispielen, damit niemand vorschnell klickt.
  2. Zahlungen nur mit Rückfrage. Teilt ein Lieferant per E-Mail eine neue Bankverbindung mit, wird das telefonisch unter einer bekannten Nummer geprüft. Größere Zahlungen geben zwei Personen frei.
  3. Updates zügig einspielen. Wichtige Sicherheitsupdates gehören nicht auf die lange Bank. Wo es geht, laufen sie automatisch. Programme werden nur aus offiziellen Quellen geladen.
  4. Mit zweitem Faktor anmelden. Ein Passwort allein reicht nicht. Mit einem zweiten Faktor, etwa einem Code auf dem Handy, nützt ein gestohlenes Passwort wenig. Ein Passwortmanager hilft, für jeden Dienst ein eigenes Passwort zu nutzen.
  5. Datensicherungen haben und testen. Eine Sicherung ist nur so gut wie die letzte gelungene Wiederherstellung. Mindestens eine Kopie sollte getrennt vom Netzwerk liegen.
  6. Einen Notfallplan bereithalten. Wer entscheidet, wen rufen Sie an, was sagen Sie Ihren Kunden? Diese Fragen sollten geklärt sein, bevor etwas passiert.

Wofür eine Cyberversicherung da ist

Vorbeugung senkt das Risiko, sie bringt es aber nicht auf null. Hier setzt die Cyberversicherung an. Je nach Vertrag übernimmt sie zum Beispiel:

  • die Kosten für IT-Fachleute, die den Angriff aufklären und Ihre Systeme wiederherstellen,
  • den Ertragsausfall, solange Ihr Betrieb stillsteht,
  • berechtigte Forderungen Dritter, etwa wenn Kundendaten abfließen, und die Abwehr unberechtigter Forderungen,
  • Hilfe bei der Information von Kunden und Behörden.

Viele Versicherer bieten zusätzlich eine Notfallnummer, unter der rund um die Uhr Fachleute erreichbar sind. Gerade in den ersten Stunden nach einem Angriff ist das viel wert.

Manche Cyberversicherer gehen noch weiter und überwachen Ihre Rechner und E-Mails rund um die Uhr. Was das bringt, zeige ich auf der Seite Cyberversicherung.

Zwei Punkte sollten Sie vor dem Abschluss kennen:

  • Ihre Angaben zählen. Versicherer fragen nach Ihren Schutzmaßnahmen, etwa nach Sicherungen, Updates und der Anmeldung mit zweitem Faktor. Was Sie angeben, muss stimmen und im Alltag gelebt werden. Sonst ist der Schutz im Schadenfall in Gefahr.
  • Nicht jeder Betrug ist eingeschlossen. Schäden durch gefälschte Zahlungsanweisungen sind nicht in jedem Vertrag enthalten oder nur mit kleinen Summen. Hier lohnt der genaue Blick in die Bedingungen.

Erst das Risiko, dann die Versicherung. Ich schaue mir mit Ihnen zuerst an, wie Ihr Betrieb arbeitet und wo er verwundbar ist. Erst dann sprechen wir darüber, welcher Schutz sinnvoll ist.

Vier Schritte für die nächsten sieben Tage

Wenn Sie heute anfangen wollen, reichen diese vier Punkte:

  1. Prüfen, ob für alle wichtigen Zugänge eine Anmeldung mit zweitem Faktor aktiv ist.
  2. Eine Datensicherung testweise zurückspielen.
  3. Offene Updates einspielen und feste Termine für die nächsten vereinbaren.
  4. Im Team besprechen, wie mit geänderten Bankverbindungen per E-Mail umgegangen wird.

Die Lage ist ernst, aber beherrschbar. Jede geschlossene Lücke und jede Schulung im Team senkt das Risiko. Was danach bleibt, kann eine Cyberversicherung tragen.

Porträt von Tobias Schnippering

Tobias Schnippering

Versicherungsmakler und Finanzanlagenvermittler auf Norderney. Fachberater für Finanzdienstleistungen (IHK) und zertifizierter Spezialist für Ruhestandsplanung (FH), seit 20 Jahren in der Beratung von Privatkunden und Betrieben.

Mehr über mich

Dieser Beitrag gibt allgemeine Informationen, Stand November 2026. Er ersetzt keine persönliche Beratung. Was im Einzelfall versichert ist, regeln allein die Bedingungen Ihres Vertrags.

Wie gut ist Ihr Betrieb geschützt?

Wir sehen uns gemeinsam an, wo Ihr Betrieb verwundbar ist und welcher Schutz dazu passt.

Erstgespräch vereinbaren